90 Jahre sind kurz im Leben eines Kirchenbaues, wenn man die jahrhundertealten Kirchen und Kathedralen zum Vergleich heranzieht. Von St. Anton mussten in dieser an sich kurzen Zeit dreimal neue Glocken angeschafft werden, da die großen Kriegswirren unseres Jahrhunderts die Pfarrkirche bereits zweimal des Geläutes beraubt hatten.
Das erste Geläute, bei der Einweihung der Kirche wie die übrige Einrichtung bereits fertiggestellt, umfasste fünf Glocken im Gesamtgewicht von 4800 kg. und war von der Glockengießerei Goessner in Simmering hergestellt worden. Das Läuten besorgte ein eigener "Thürmer". Die einzelnen Glocken waren, wie Pfarrer Msgr. Matthias Eisterer überliefert, reich geschmückt und sollten ein Andenken an Persönlichkeiten im Zusammenhang mit dem Neubau der Kirche darstellen:
Die Entwürfe für die Verzierungen und Inschriften erstellte k.k. Baurat Franz Ritter von Neumann, die Weihe der Glocken nahm der Pfarrer von Simmering, Stadtdechant und Ehrenkanonikus Leonhard Karpf vor. Bereits im Juni 1901 (ein halbes Jahr nach der Einweihung der Kirche!) erwies sich die Läutanlage, besonders der Glockenstuhl der großen Glocke, infolge schlechter Ausführung als völlig schadhaft und musste, da die Fa. Gössner den Reparaturverpflichtungen nicht nachkam, von der bedeutenden k.k. Hofglockengießerei Hilzer (Wr. Neustadt) um 843 Kronen renoviert werden. Hilzer spendete auch drei Altarglocken. Anlässlich der Totenmesse für Baurat Franz Ritter von Neumann wurde das von ihm gewidmete St. Franciscus-Sterbeglöcklein geläutet.
Diese Glocken läuteten am 26. September 1916 um 11 Uhr zum letzten Mal, dann wurden zunächst die Antonius- und die Ave-Glocke auf dem Antonsplatz zertrümmert. Zweieinhalb Tage dauerte das Zerstörungswerk. Die weiteren Glocken folgten, nur das St. Franciscus-Sterbeglöcklein blieb erhalten und befindet sich heute auf einem Seitentürmchen der Kirche. Als Entschädigung wurden der Pfarre lediglich 11.408 Kronen bezahlt.
Erst 1923 konnten drei neue Glocken angeschafft werden (genaue Gewichte nicht mehr eruierbar, hl. Engel, hl. Josef, Muttergottes, gis1,ais1, cis2).
Sie kosteten 100 Millionen Kronen und wurden von der Fa. Josef Pfundner (Wien 10) gegossen. Die musikalische Umrahmung der volksfestartigen Weihe besorgte der Kirchenchor von St. Anton unter der Leitung von Chordirektor E. Schallinger (Sopransolo: Rosa Wanek).
Am Palmsonntag 1924 wurde die vierte Glocke (Heldenglocke, 1149 kg, eis1) geweiht. Anlässlich des Kirchenjubiläums zur 25. Wiederkehr der Errichtung konnte am 17. Mai 1925 die letzte und größte Glocke, die Antonius-Jubiläumsglocke (2380kg, cis1) geweiht werden. Die musikalische Umrahmung besorgte der Kirchenchor unter der Leitung von Chordirektor Gustav Benja.
Die Glocken hatten ein Gesamtgewicht von 4900 kg und ergaben also die Töne cis1, eis1, gis1, ais1 , cis2 (Durchmesser 150, 120, 100, 90, 75cm).
Sie fielen am 2. Jänner 1942 neuerlich der Metallablieferung zum Opfer.
Am 26. Mai 1947 wurde die erste und größte Glocke des gegenwärtigen Geläutes zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit geweiht. 1949 wurden die übrigen vier Glocken gegossen, die Weihe konnte aber erst nach Vollendung der Turmrestaurierungen am 9. November 1958 erfolgen (die Feier umrahmte der Kirchenchor unter der Leitung von Prof. Dr. Karl Schütz). Wie nach dem ersten Weltkrieg wurden auch diese Glocken durch die Glockengießerei Josef Pfundner geliefert. Das Gesamtgewicht umfasst heute (außer der Gössner-Glocke von 1900) 5513 kg und ergibt wieder das Salve-Regina-Motiv:
Möge den gegenwärtigen Glocken ein längeres Dasein beschieden sein
als den Vorgängerinnen!